Cluster. Acryl, Schellack, Graphit auf grundiertem BW-Maltuch, 150 x 120 cm. 2013
Autor: Haimo
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Kurs vom 12.-14.
Aus terminlichen Gründen muss der Kurs vom 12.-14. ausfallen.
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kollektives Wahrnehmen
Der Glaube an ein gemeinsames Wahrnehmen in gleicher Situation ist immer noch in vielen Menschen präsent. Immer wieder höre ich in Gesprächen, wie toll oder schrecklich es dann und dort doch gewesen sei. Und scheinbar haben tatsächlich viele das Gleiche erlebt, aber ich kann es einfach nicht glauben. Meine Vermutung liegt nahe: Das ist nur Projektion. Ich wollte einen Beweis finden.
Habe gestern einen einfachen Versuch gemacht: Eine Gruppe von ca 30 Personen wird in drei kleine Gruppen aufgeteilt, jede hat etwas zu tun, eine etwas, das die anderen Gruppen nicht wissen können. Jeder hat dabei allerdings das Gefühl, die eigentlich wichtige Beobachtung oder Erfahrung zu machen. Denn alle sollen eine andere Sache beobachten oder einfach tun. (Tatsächlich hatte jeder, obwohl sich letztlich alle zusammen in einem Raum befanden, ein völlig anderes Erleben der Situation.)
Die Ausgangssituation geht auf einen Vortrag zurück, den Manfred Spitzer vor einigen Monaten in Paderborn gehalten hat. Die Versuchsanordnung habe ich allerdings erweitert.
Auf einem Tisch liegen zwei Klötze, der eine ist mit einer 8, der andere mit einer 2 beschriftet. Sie liegen etwa zehn Zentimeter von einander entfernt.
erste Gruppe: soll beobachten und offen sichtbar notieren, welcher männliche Teilnehmer, welche weibliche Teilnehmerin welchen Klotz aufhebt.
zweite Gruppe: soll der Reihe nach durch die Mitte für jeden sichtbar nach vorne kommen und jede einzelne Person sich entscheiden, welchen Klotz er /sie nimmt.
dritte Gruppe: beobachtet, ob bei dem Klotz mit der 8 breiter gegriffen wird, als mit dem Klotz mit der 2.
Als Leiter der Gesamtgruppe beobachte ich, wieviele sich auf dem Weg zum Tisch unter den Augen der anderen Gruppenmitglieder an die Nase fassen oder durch die Haare gehen.
Das Ergebnis ist letztlich völlig unwichtig, wenn auch Aussagen interpretiert werden könnten:
– zwei Drittel der weiblichen Testpersonen greifen zur 2, weit mehr als die Hälfte der männlichen zur 8.
– die meisten, welche die 8 wählen, greifen mit breiterem Griff, als diejemigen, welche die 2 wählen.
– ein Drittel der Gruppe greift sich auf dem Weg verlegen an die Nase, einige in die Haare.
Das Spannende: Jeder hat die Situation völlig anders wahrgenommen, die einen waren wegen ihrer Erwartungshaltung nervös und hatten sehr eingeschränkte Beobachtungen. dieses Experiment war Ausgangspunkt einer Diskussion zum Thema Realitätswahrnehmung und vor allem zur Frage nach einer kollektiven Realitätsinterpretation.




