2011 – Mondnacht Tanztheater

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gäste und Freunde,….

Haben Sie schon einmal Kinder beim Spiel beobachtet? – Ich meine ganz unbemerkt zugeschaut , wie Kinder durch den Tag leben, wenn sie nicht gerade zu Dingen gezwungen werden, nicht gerade erzogen werden, nicht im Kindergarten ihre psychologische Zwangsmaßnahme machen, die beschönigend Morgenrunde genannt wird, letztlich aber nur auf ähnliche Erlebnisse im Erwachsenenalter vorbereitet, dort heißt es dann entweder beruflich Besprechung oder privat eben Gruppentherapie.

Kinder fangen während ihres Spiels plötzlich ganz unerwartet an zu summen, zu singen, finden ungewöhnliche Töne gemischt mit bekannten Klängen zu ihren ebenfalls plötzlich einsetzenden mehr oder weniger rhythmischen Bewegungen, zu verträumt tänzelnden Schritten. Tanz ist neben Musik urmenschlicher Ausdruck des Befindens. Das Kind erschließt sich die Welt weniger kognitiv, sondern durch Spiel – Schauspiel, Musik, Gekritzel und eben Tanz.

Der Tanz bleibt für viele Menschen auch später wichtige Ausdrucksform, dann meistens in die Korsetts der Standardtänze oder unter dem Eindruck modischer Bewegungen und rhythmischer Zuckungen in Diskotheken und auf Raves.

Schon allein die vielen Anlässe zum Tanz sind beeindruckend, Als Ritualtanz, Gesellschaftstanz, als Hochzeitstanz und Totentanz. Hier abgebildet finden sich auch schon die Themen für das Tanztheater, alles, was uns betrifft, Gefühle, Situationen, Kommunikationen und Beziehungen, die Welt und ihre Wahrnehmung, die Höhen und tiefsten Tiefen des Lebens.

Tanz und Musik treffen uns in Verbindung mit Schauspiel direkt, gehen in die Tiefe, stoßen ab, verwirren und lassen uns nachdenken, erschaudern.

Heute wird zum zweiten Mal ein Tanztheaterabend im Bogen stattfinden, als Teil einer zukünftigen Reihe. Choreographen werden von Manuel Quero eingeladen, hier kleine Stücke zu zeigen, Solos und Duette, meist ohne aufwendiges Bühnenbild, meist auf das Nötigste reduziert. Gezeigt werden dieses Mal drei Choreografien, zwei von Manuel Quero,  und eine von Eun-sik Park.

Mondnacht von Manuel Quero zeigt eine Work in Progress Produktion. Ein fertiges Stück, das weiterer Bearbeitung entgegensieht, das von einer Kurzchoreografie zu einer abendfüllenden wachsen wird. Die Themen sind gesetzt, die Bewegungen gedacht und die Fragmente werden in den nächsten Monaten dann mit weiteren Tänzern realisiert werden. Manuel Quero besetzt das schwierige Thema der Depression mit schönen Bildern, die manchmal ins Unerträgliche kippen. Ein zentrales Moment der Romantik ist nicht der Kitsch, sondern die unbeschreibliche aufwühlende Sehnsucht – letztlich nach einem anderen ,einem gedachten Leben.

Heute im Duett mit Soo-Yin Jim Heil Mondnacht.

Manuel hatte seine Ausbildung an der Folkwangschule Essen, er hat in den vergangenen fünfzehn Jahren mit wichtigen Choreografen zusammengearbeitet und manchmal frage ich mich, in welchem Land dieser Welt er eigentlich noch nicht gespielt hat. Er hat mit Henrietta horn, Pina Bausch, Joe alegado, Mui Chaik Yin, Malou Airaudo, Jean Sasportes, Samir Akika und zuletzt mit Mark Siezckarek gearbeitet, als Tänzer, zum Teil als Choreograph. Manuel Quero hat 11 abendfüllende, zahlreiche kleine Choreografien und sechs Kurzfilme gemacht.

Soo-Yin Jim Heils Ausbildung begann in Südkorea bevor sie zunächst nach Köln, dann zur Folkwangschule nach Essen kam. Sie hat mit Henrietta Horn und Pina Bausch zusammengearbeitet, das berühmte „Sacre du printemps“ gespielt. Soo Jin ist seit vielen Jahren feste Partnerin in Manuels Compagnie und hat in einem seiner Filme mitgespielt.

Danach sehen wir 90 – 90 ,ein Solo von Eun –Sik Park, welches von Irene Ebel getanzt wird. Die Zerrissenheit und das Entfremden in einer viel zu großen Welt wird hier der brutalen Einengung  des inneren Erlebens gegenüber gestellt, ein mal heftiger, mal schleichender Prozess. Ich habe diese Arbeit in Göteborg in Schweden gesehen und war tief beeindruckt und bin jedesmal auf ein Neues verwirrt.

Eun-Sik Park… stammt aus Korea. Sie studierte Klassischen Tanz an der Se-Jong Universität in Seoul. Ersten Kontakt mit dem deutschen zeitgenössischen Tanz bekam sie 1995 bei einem internationalen Tanzworkshop in Korea mit Rainer Behr und Nayoung Kim vom Wuppertaler Tanztheater. 1996 nahm sie das Studium an der Folkwang Hochschule in Essen auf. Sie tanzte in Produktionen von Malou Airaudo, Laurent Sasportes und Leonard Cruz. Außerdem war sie 1999 als Gasttänzerin für die Produktion “Les Sacre du Printemps” beim Tanztheater Wuppertal engagiert. Seit vielen Jahren erarbeitet sie eigene Choreographien, oft Solos, für welche sie dann oft andere Tänzerinnen sucht.

Irene Ebel absolvierte ihre Tanz und Tanzpädagogikausbildung an der Folkwang Hochschule. Danach tanzte sie u.a. für das Folkwang Tanzstudio, und die Kompagnie Norrdans in Schweden , Ramon Oller, Jo Strömgren, Henrietta Horn, Rodolpho Leonie. Ihre eigene Choreographie Oumbas wurde im vergangenen Jahr im Bogen gezeigt.

Nach den beiden Choreographien ist UmbauPause, sie haben dann die Gelegenheit ein Getränk zu sich zu nehmen.