2012 Figurationen von D. Rüstig-Ladewig

Ich möchte Sie, meine Damen und Herren, ganz herzlich zur Ausstellungseröffnung Figurationen von Doris Rüstig Ladewig begrüßen. Es ist immer gut, wenn das Wetter schlecht ist- zumindest für Ausstellungen, die im Sommer stattfinden, denn bei strahlendem Sonnenschein kommen weniger Besucher.

Morgen vor dreißig Jahren, gut zwei Jahre nach Gründung der Künstlergruppe DER BOGEN wurden die ersten gemeinsamen Atelierräumlichkeiten an der Langen Wende eingeweiht. Damals wurden rund 120 m² bespielt, von ungefähr 20 Künstlern. Heute nutzen wir einen Raum von 900 m². Damit ist allerdings auch die Verantwortung gewachsen. Inzwischen organisiert der Bogen neben den Ausstellungen, die von Beginn an Teil des Programms waren, auch die Kulturwoche Sommergelee, Tanztheater, Theater und Konzerte. Wir geben mit den Atelierpatenschaften jungen angehenden Künstlern und Künstlerinnen die Chance frei zu arbeiten. Mit den Kursen, die unregelmäßig angeboten werden, haben auch andere Leute die Chance Einblick in die Atelierarbeit zu nehmen. Hier proben diverse Theatergruppen und regelmäßig werden die Räumlichkeiten für kulturelle Veranstaltungen sowie Feiern genutzt. Ja, auch feiern gehört zum Bogen. Ich hoffe es hört sich nicht allzu arrogant an, aber in den letzten Jahren haben wir schon eine Menge geschafft und darauf darf man mit Recht auch ein bisschen stolz sein.

Vor über einem Jahr habe ich eine Ausstellung von Doris Rüstig Ladewig gesehen und wusste, die muss im Bogen ausstellen. Was ich nicht wusste, wer ist die Künstlerin?

Über unsere gemeinsame Galeristin in Siegen war es recht einfach, Kontakt herzustellen. Ein Termin wurde geplant und viele viele Telefonate folgten.

Der Name dieser Frau ist Programm: Rüstig Ladewig. Sie ist rüstig wie kaum jemand in ihrem Alter, sie ist energiegeladen und inspiriert. Als ich sie vor einer Woche zum ersten Mal erlebt habe, konnte ich mir kaum vorstellen, wie viel Kraft diese Frau hat.

Sie kam auf mich zu, nahm mich in die Arme und meinte. „ Ich bin Doris – ist doch in Ordnung, wenn wir uns duzen.“ Ich hatte von Anfang an das Gefühl, sie schon lange zu kennen. Mit jedem ihrer Worte mehr. Sie formuliert klare Gedanken, die Situationen hellsichtig erkennen. Nicht aus Zufall hat Doris Rüstig Ladewig in Schleswig eine Stiftung gegründet, die sich zum Ziel gemacht hat, Kunst und Kultur zu fördern. Dort finden Seminare, Kurse und Ausstellungen statt. Dort werden junge Künstler gefördert und normale Menschen an die Kunst geführt. Sie spricht von Arbeit, wenn es um Kunst geht. Nichts ist bei ihr Zufall. Sie hatte in Karl Schmidt-Rottluff Anfang der fünfziger  Jahre einen wichtigen Lehrer. Als eine der letzten heute noch lebenden Studentinnen dieses Expressionisten weiß sie, dass bei aller  scheinbaren Flüchtigkeit der Malerei immer eine Optimierung von Ausdruck und Figuration erfolgen muss. Doris kann sich darüber aufregen, wenn alle möglichen Leute glauben, es reiche, wenn man Farbe auf die Leinwand bringt und schon sei es Kunst. „Auch Abstraktion ist harte Seh- und Malarbeit“ sagt sie, „alles andere ist Schmiererei.“

Genau das macht aber ihren Charakter aus, neben ihrer Herzlichkeit stehen Zielstrebigkeit und der Mut, auch unbequeme Dinge auszusprechen. Alle Gespräche, welche ich mit ihr geführt habe, waren hiervon geprägt. Es ist ein Kunst klare Worte zu finden, ohne überheblich zu werden. Es ist ein Erlebnis, diese Klarheit auch in den Bildern zu finden. Die Malerei nutzt die Möglichkeit der Volumenbildung, in Fläche und Dicke des Auftrags. Da wird nicht fein gepinselt, sie setzt mit starkem Duktus die Figuren, lehnt sich an expressionistische Malweise an und findet doch zu einer kraftvollen Sprache des 21. Jahrhunderts. Die Motive sind eher traditionell, Akte und Tanz, Bewegungen, in ihrer eigenen Sicht aber immer aktuell. Die Zeichnungen zeigen, dass die Linien sicher und bewusst gesetzt sind, dabei offenbart sich, wie Doris Rüstig Ladewig mit Figur und Format umzugehen vermag. Jedes Körperteil erobert sich den Raum, den es benötigt. Dadurch entstehen hoch komplexe und doch einfach anmutende Bilder. Ich kann Sie nur einladen, nehmen sie sich Zeit, diese Bilder zu erkunden, sie werden erstaunliche Entdeckungen machen.

Zum Schluss möchte ich sie noch auf den anstehenden Sommergelee aufmerksam machen. Vom ersten bis zum siebten Juli findet diese Neheimer Kulturwoche statt. Sie sind herzlich eingeladen hieran teilzunehmen. In einigen Kursen haben wir  noch freie Plätze. Auf der Internetseite www.sommergelee.de erfahren sie weitere Details. Außerdem suchen wir noch Hausbesitzer, die bereit sind, eine Hauswand für zwei Stunden als Ausstellungsfläche zur Verfügung zu stellen.

Hiermit möchte ich die Ausstellung Figurationen von Doris Rüstig Ladewig für eröffnet erklären und wünsche ihnen viel Freude beim Betrachten und hoffentlich gute Gespräche mit der Künstlerin selbst.