2008 – Incubation – Jahresausstellung DER BOGEN

Incubation

Vorausschickend danke ich allen, die uns in den letzten Jahren mit ideeller, handgreiflicher und auch finanzieller Unterstützung zur Seite gestanden haben, ich danke den großzügigen Sponsoren, die es ermöglichen, dass Kultur den Raum hat sich auch in der sogenannten Provinz zu entwickeln.

Einschub: Erklärung zu Peters Kubus

Der Tod von Peter Meilchen ist uns allen sehr nahe gegangen, nun müssen wir, muss sich der Bogen neu orientieren. Uns fehlt ein wichtiges Bindeglied in der Ateliergemeinschaft, ein Ausgleich, wir müssen uns neu finden und ein Stück weit auch neu erfinden. Aufgaben werden neu verteilt und einiges wird anders werden. Manches mag man uns nachsehen und nicht immer und an jeder Stelle den Vergleich mit dem berühmten  Früher ziehen.

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass Jahresausstellungen nur Sinn machen, wenn diese thematisch oder und konzeptionell gebunden sind. Ein zu großes thematisches Vielerlei macht vielleicht einen bunten Eindruck, der aber ist schnell vergessen. Ausstellungen wie letztes Jahr unter dem Titel „mein Deutschland“, wie vor einigen Jahren „Fleischeslust“ oder auch „Gut abgehangen“ haben ihre Spuren in uns hinterlassen, wenn auch nicht immer und von jedem verstanden wurde, worum es ging; einige Besucher manchmal auch das Gefühl hatten auf die sprichwörtliche Schippe genommen worden zu sein.

In diesem Jahr begannen die Vorüberlegungen zur Jahresausstellung schon im Frühling, Peter arbeitete gerade an seinen letzten Frühlingeln, großen Fotoüberarbeitungen auf Leinwand, die im Arbeitszustand auch noch immer in seinem Atelier hängen. Wir spielten mit der Idee des Raums im Raum, mit dem absoluten Raum. Schnell kamen wir auf den Gedanken einer visuellen Neustrukturierung mit Hilfe von  kubischen Einbauten. Einer Installation. Es ergaben sich einige Wortscharmützel, aus denen letztlich der Titel Incubation als einsamer Sieger hervor ging.

Im Glücksspiel fallen die Würfel, wenn Entscheidungen anstehen auch; alia jacta est.

Der Würfel ist ein altes Spielzeug, man liebt ihn seit über 3000 Jahren als eben solches, seit ebenso vielen Jahren als Orakel, früher aus Knochen, Stein und Elfenbein, manchmal auch aus Holz, heute meist ganz schnöde aus Kunststoff , ein Poly – Eder aus Polymeren.

Dem Würfel sind Mathematiker auf den Grund gegangen und Vermögen zum Opfer gefallen, mit ihm wurde biblisch die Beute verteilt, mancher Schüler und Student vermutet einen bösen Notenwürfel, wenn er seine Zensuren sieht, in den Kaffee werfen wir einen Zuckerwürfel, wenn kein Süßstoff zur Hand ist, auch die ersten Fertigsuppenextrakte hat man in Würfelform gepresst. In Japan züchtet man seit einigen Jahren Melonen in Würfelform, die sich sehr praktisch und vor allem ökonomisch stapeln lassen, Pyrit- und Salzkristalle wachsen im günstigsten Falle als wunderschön glänzende Oktaeder.

Der Würfel zeigt uns alle gemeinen Schichten menschlichen Seins, er ist abweisend durch seine allseitige Symmetrie, macht alles gleich und spielt gerne mal das Schicksal.

Aus der Kunst ist der Kubus schon lange nicht mehr wegzudenken. Kleine Anmerkung: Die anderen hier haben mir gesagt, ich müsse jetzt wirklich keine kunstgeschichtliche Erörterung betreiben. Also lassen wir es an dieser Stelle.

Also bleibe ich bei der Gegenwart und sehe wie sich im Moment viele Künstler am Kubus abarbeiten, Literaten versuchen ihn poetisch zu erkunden und Designer verzweifeln sowieso, auch sie hätten gerne einen Kubus erfunden, so wie jeder seinen eigenen Stuhl entwerfen möchte, als Grundlagenwerk des Designs natürlich.

12 Kanten, acht Ecken und sechs Seiten lassen alles offen und sind doch in sich geschlossen nur eins. Er lädt zum Spiel, nicht um zu gewinnen oder zu verlieren, denn er erfindet den Raum in sich und um sich, besetzt eine Lücke oder Fläche, vielleicht sogar eine eigene Ökonische.

Der Kubus stellt Forderungen gegen die normale Bildidee. Er verlangt ein Be- und Umgehen, Austasten, Erschließen und Zuwenden. Die Wände stehen in räumlicher Beziehung, knicken die Fläche in den Raum, so ergeben sich neue Fügungen, Verweise. Bilder werden zu Installationen, Objekten, zu Räumen. Wenn das Bild zur sich selbst gefälligen Architektur wird, wenden sich die Architekten ab, denn eigentlich sind sie es gewöhnt die Behausungen für bildnerische Flachware selbst zu schaffen, und da wird mancher Würfel zu einem bautechnischen Offenbahrungseid.

Ich möchte kurz in Zahlen zusammenfassen, was da vor uns steht:

Sieben Kuben

Oder 41 Leinwände

Sieben Räume

Oder 56 Kubikmeter Idee

Sieben Installationen

Oder etwa Quadratmeter Bild

 

Es sind sieben Räume in einem Raum, die uns Fragen stellen und wenige nur beantworten wollen.

Unsere Räume brüten im Sinne des Wortes Inkubation aus, zeigen Entwicklungsstränge und erinnern teilweise sogar an die antike Inkubationszeit, den Tempelschlaf.

Uns bannt die Auseinandersetzung mit dem Raum, der Zahl, der Fläche und wir müssen erkennen, dass diese gedankliche wie handwerkliche Arbeit an diesem Punkt nur kurz zum Erliegen kommt.

Wir möchten Sie und Euch einladen diese Ausstellung zu erkunden, erobern sie sich die Räume ihrer eigenen Phantasie.

 

Im Anschluss wird es im Atelier von Manuel Quero Tanztheatersoli von ihm und Soo Yin Jim Heil zu sehen geben, welche in gut einer Stunde dann wiederholt werden. Manuel Quero möchte hiermit einen Vorausblick auf die zukünftige Arbeit im Theater  des Bogens zeigen. Dort soll in Bälde in regelmäßigen Abständen ein eigenes Bühnenprogramm realisiert werden.

 

Ich danke Ihnen und Euch für die Aufmerksamkeit und erkläre die Ausstellung für eröffnet, stoßen Sie mit uns an.