2009 – Nacktsackakte – Interview mit Pit Schrage

Interview mit Pit Schrage zu seiner neuen Ausstellung NACKTSACKAKTE im Bogen:

 

H.H.: Bisher kannte man von dir, Pit Schrage, vor allem eher landschaftlich angelegte Arbeiten, die du mit Verweisungszeichen versehen hattest, Wegmarkierungen und nicht erschließbaren Chiffren, nun kommt es scheinbar zu einem Bruch im Werk.

Pit Schrage: Wenn man sich auf die Suche nach anderen künstlerischen Darstellungsformen begibt, als die bisher ausgeführten, kommt unweigerlich und zwingend die Frage auf: Akt? Warum nicht? So erging es auch mir.

H.H.: Wenn ich Akt höre, muss auf die vielen Vorgänger verwiesen werden, die dieses Thema schon vorher behandelt haben, von Tizian bis Egon Schiele, von Lucien Freud bis Cindy Sherman. Bekommst du da keine Angst vor diesen großen Namen?

Pit Schrage: Ich wagte mich vor einiger Zeit auf ein Terrain, das mir zwar nicht gänzlich unbekannt, aber von mir doch nie erschöpfend erkundet worden war.

Der Akt ist eines der ältesten Motive der bildenden Kunst. Jedoch mittlerweile befreit vom Ballast des antiken Ideals und der christlichen und mythischen Thematik erlebt der Akt eine ungeahnte Erweiterung seiner inhaltlichen und formellen Ausdrucksmöglichkeiten. Der Akt muss sich nicht mehr in der Gefälligkeit eines gesitteten Schönheitsfanatismus von Leni Riefenstahl präsentieren.

H.H.: Das heißt, dass du dich in der Vorbereitung der jetzigen Arbeiten intensiv mit der Geschichte und Entwicklung, dem kunsttheoretischen  des neuen Sujets auseinandergesetzt hast.

Pit Schrage: Zur Entwicklung und Hinterfragung einer Idee müssen schon die kulturellen und geschichtlichen Voraussetzungen betrachtet werden. Dies betrifft allerdings vor allem den theoretischen Gedanken. Zur Praxis: Ich spielte.

H.H.: Das hört sich im Gegensatz zum vorher Gesagten doch eher nach einer kindlich-naiven Herangehensweise an.

Pit Schrage. Im Sinn der Spieltheorie ist diese Vorgehensweise eher geprägt von der sensiblen und zu reflektierenden ästhetischen Arbeit. Ich spielte mit unterschiedlichen Materialien und Wörtern und stand am Ende befriedigt und überzeugt ob der Ergebnisse vor einem Projekt, das da heißen sollte: “NACKTSACKAKTE”.

H.H. Ein Zungenbrecher, auch dies wohl ein Spiel mit Wort und Bedeutung, kann man es als Möglichkeit einer vorausdeutenden Interpretation im Sinne des Abwägens zwischen Motiven und Materialien betrachten?

Pit Schrage: Es entstanden Kohleakte auf Papier- und Jutesäcken.

Was als Übung und Wortspielerei begann, verselbstständigte sich.

Jenseits der Schulbuch-Aktmalerei war mir das Spiel mit den Materialien  wichtiger als penible Genauigkeit.

Und so entstand das, was als projektbezogene Ausstellung zu sehen ist: Ein nicht ernsthaft augenzwinkerndes Ereignis von dem man vielleicht sagen möchte: “Ach schau, auf dem nackten Sack ein Akt.”