2009 – Wie es euch gefällt – Jahresausstellung DER BOGEN

Wir haben uns die Freiheit genommen Shakespeare frisch durchgeschüttelt zu interpretieren, wie es uns gefällt, gefällt es ihnen nicht, so greifen sie zum Shaker und komponieren sie ihr eigenes Drama

 

2. Aufzug, ein Auszug

 

Kahos
Ich bitte dich, Haimo, liebe Muse, sei lustig.

Haimo
Lieber Kahos, ich zeige mehr Bilder, als ich in meiner Gewalt habe, und du wolltest dennoch, daß ich noch kreativer wäre? Kannst du mich nicht lehren,  verbrannte Bilder zu vergessen, so mußt du nicht verlangen, daß mir eine ungewöhnliche Lust in den Sinn kommen soll.

Kahos
Das würde dir auch geschehen, wenn deine Sehnsucht zu ihnen von so echter Beschaffenheit wäre als die meinige.

Haimo
Gut; ich will meinen Un-Glücksstand vergessen, um mich an deinem zu erfreun.

Kahos
Du weißt, mein Verstand hat kein Kind außer meiner Werke und auch keine Aussicht, dies zu ändern; und wahrlich, wenn die Kunst stirbt, sollt ihr meine Erben sein; denn was ich meinem Bildern mit Gewalt genommen habe, will ich euch in Liebe wiedergeben. Bei meiner Ehre, das will ich, und wenn ich meinen Eid breche, mag ich zum Ungeheuer werden! Darum, mein Publikum, seid lustig!

Haimo.
Das wollen wir von nun an, Kahos, oh Musenküsser, und auf Späße denken. Laßt sehen, was haltet ihr vom Hängen?

Kahos
Ei ja, tu’s, um Spaß damit zu treiben. Aber liebe keine Wand im wahren Ernst, auch zum Spaß nicht weiter, als daß du mit einem unschuldigen Nagel errötend mit Hammer wieder davonkommen kannst.

Haimo
Was wollen wir denn für Spaß haben?

Kahos
Laß uns sehen, damit ihre Bilder künftig gleicher ausgestellt werden mögen.

Haimo
Ich wollte, die könnten das; denn ihre Wohltaten sind oft am gewaltigen Dübel angebracht.

Kahos
Das ist wahr; denn die, welche es schön machen, machen es selten, aber dann richtig, und die, welche es oft machen, machen es sehr häßlich.

Haimo
Nicht? wenn die Kunst ein schönes Bild gemacht hat, also ein Geschöpf, kann man es nicht ins Feuer fallen lassen?

Kahos
In der Tat, da ist das Glück der Kunst zu mächtig, wenn es durch einen natürlichen Einfaltspinsel dem natürlichen Witz ein Ende macht.

Haimo
Wer weiß, auch dies ist nicht das Werk des Künstlers, sondern der Besucher, die unsern natürlichen Witz zu albern finden, um über solche Spinnerein zu grübeln, denn immer ist die Albernheit des Narren der Schleifstein der Witzigen. – Nun Witz, wohin wanderst du?

Kahos
Ein gewisser Künstler, der bei seiner Ehre schwur, die Bilder wären gut, und bei seiner Ehre schwur, der Wein  wäre nichts nutz. Nun behaupte ich: die Bilder waren nichts nutz und der Wein gut, und doch hatte der Künstler nicht falsch geschworen.

Haimo
So denn. Tretet nun alle vor, streicht euer Kinn mit euren weißen Handschuhen und schwört bei euren Bärten, daß ich ein Schelm bin, aber ich werde euch nicht den Platz verwehren, den ihr unseren Bildern gebt.