2009 – Versuch über die Zeit – Peter Meilchen

Versuch über die Zeit – Peter Meilchens Werkschau – eine Betrachtung

Schon während des Aufbaus der Ausstellung ein Jahr nach dessen Tod hatte man das Gefühl, er sei ständig anwesend, denn immer haben wir seine Texte-CD gehört, haben uns über die teilweise lakonischen, teilweise spröden und ironischen Kommentare zum Leben amüsiert. Peter Meilchens „Beobachtungen eines Unsichtbaren“ wurden in gewisser Weise zur Maßschnur der Werkschau.

Er wollte sich in den letzten Jahren seines Schaffens zum Verschwinden bringen, sagte er. Und er hat es nie geschafft, selbst über das Ende hinaus. Kaum eine Künstlerpersönlichkeit hat so eine starke Ausstrahlung auf mich gehabt, kaum jemand mit dem ich mich ernsthafter und sarkastischer über Kunst und Kunstmarkt auseinander setzen konnte. Seine Erkenntnisse über die Künstler, vor allem die erfolglosen Großen und die erfolgreichen Nepper unter ihnen, sind deutlich ausgefallen: „Wenn du als Künstler keinen Erfolg hast, kannst du noch so viel Qualität behaupten oder haben, es wird niemand wahrnehmen. Wenn du als Künstler Erfolg hast, kannst du noch so schlecht sein, es wird niemand sehen wollen.“ Seine Bilanz war klar: „Hinterher kommt alles in den Container. – Oder du hast Glück.“ Aber das erste Bild dieser Ausstellung heißt nicht von ungefähr „Nicht hier gewesen sein wollen will ich nicht“. Dieser rote Faden spannt sich durch die Auswahl an künstlerischen Arbeiten. Lebenslust, Sinnenlust und freche Kommentierung der Welt.

Die Arbeiten mögen manchmal auf den ersten Blick einfach wirken, sie stellen hoch komplexe Wahrnehmungsnetzwerke dar. Peter Meilchen hat keine bezugslose Kunst gemacht, immer finden sich Zitate und Verweise auf  Werke anderer Künstler oder eigene Vorarbeiten. Landschaft, Akt und immer wieder diese venezianer Tauben, die florentinischen Stadtfluchten und Strände, immer wieder das Schland- Projekt, die Heimatfrage, die Sinnsuche, immer wieder Kühe und Strände. Alles findet seine Zusammenführung in den Selbstportraits, der großen Kiste, den „Beobachtungen eines Unsichtbaren“ und der Echolot-Reihe. Auch diese letztlich Selbstportraits.

Nur der Unsichtbare kann die Welt unbeobachtet, unbeachtet wahrnehmen und uns vor Augen führen. Wir werden zu Versuchsanordnungen, zu Versuchsfiguren in einem offenen Theater. Welt. Die Werke schaffen Assoziationsräume hinter unseren Augen und Gedanken.

 

Zur Eröffnung der Ausstellung sind über den Tag mehr als hundert Besucher gekommen, auch eine Art des Gedenkens. Viele bekannte Gesichter, Wegbegleiter, Freunde und Freundinnen, und sicher auch Musen,  einige Neue, man hatte schon immer gehört, jetzt hat man endlich Zeit gefunden zu sehen. Etwas Neues hat sich für mich gezeigt: Normalerweise wendet man sich schnell von den Bildern ab, sucht nicht nach Inhalten, sondern nach Gesprächen mit anderen Besuchern, oft über Banales, an diesem Abend ganz anders. Die Einführung von Kai Mönnig, die Lesung von A.J. Weigoni, die Musik der Bubble-Jazz-Band, die gezeigten Fotos aus den letzten Jahren, nicht zuletzt, wenn auch sehr verspätet, der Film „schland“ sorgen für eine offene, dem Werk zugekehrte Atmosphäre. Intensive Gespräche und Betrachtungen. Aber auch lustige Anekdoten und alberne Flachsereien, sauerländisch–rheinisch fast. Eben nicht eine übliche Ausstellungseröffnung. Dreißig Jahre Bilder haben Spuren hinterlassen.