2010 – Werkstatteinweihung – Sebastian Betz

Zur Werkstatteröffnung von Sebastian Betz

 

Stellvertretend für die Ateliergemeinschaft DER BOGEN sollte ich einige Worte zur Eröffnung dieser Werkstatt in Neheim sprechen.

 

Raffael Jablonka hat einmal etwas über den Anfang gesagt:

Den Anfang zu finden bedeutet, den Ariadnefaden zurückzuspulen, um die Formel des Labyrinths zu entschlüsseln, denn nur der, der aus dem Labyrinth lebend herauskommt, besitzt die Macht, der andere wird von der Welt ewig vergessen bleiben.

 

Sebastian hat einen wichtigen Schritt getan, hat seine Arbeitsstätte aus dem mescheder Labyrinth ins  arnsberger Stadtgebiet verlegt. Dauernd trifft man Entscheidungen, ohne genügend Informationen zu haben. Aber man trifft sie sowieso. Man befindet sich im Dunkeln. Wenn die Entscheidung getroffen ist, zeigt sich, ob man auch einen Lichtschalter findet. Sebastian hat ihn nicht nur gefunden, sondern auch betätigt. Wenn irgendetwas jemals gelingt, so stimmt es von dem Moment an, von dem man sich bewusst ist, was man tut.

Der Umzug ist ein Beweis für die lebendige Kultur hier vor Ort, in den letzten Jahren sind funktionierende Netzwerke unter den Künstlern verschiedener Sparten entstanden, Malerei, Literatur, Bildhauerei, Musik, Tanz und Theater, meist ohne negatives Konkurrenzgehabe, eher im Gedanken gemeinsamer Möglichkeiten und andererseits dem Druck und inneren Bestreben etwas machen zu müssen und zu wollen. Ein offenes Kommunikationssystem. Das Schwierige ist nicht, die Dinge zu machen, sondern die Bedingungen zu schaffen, unter denen man sie machen kann. In Arnsberg sind wir darauf angewiesen uns gegenseitig zu unterstützen, als Kulturschaffende.

Sebastian ist eine Bereicherung für Neheim und die ganze Stadt Arnsberg, ein weiterer Reibestein, Anlaufpunkt für Kunstinteressierte und auch Ort für Bildhauerseminare, das hat bisher gefehlt. Mit der Eröffnung dieser Werkstatt wird das kulturelle Angebot erweitert, die Stadt bunter und vielfältiger. Die  Welt ist das Atelier des Künstlers. Jedes Atelier schafft neue Welten. Neue Möglichkeiten. Benno Fleischmann sagte einmal ironisch: „Zu den unerfreulichsten Begleiterscheinungen einer Ausstellung gehören die Besucher.“ Jeder weiß, wie er es gemeint hat. Ohne Besucher keine Ausstellung, ohne Künstler auch nicht. Jede neue Ausstellung aber schafft neue Kommunikation zwischen ihnen. Plastik hat hier eine besondere Stellung, denn sie ist etwas, worüber man stolpert, wenn man von einem Bild zurücktreten will, um es betrachten zu können. Plastik legt wahre Stolpersteine, die man oft erst auf den zweiten Blick entdeckt.

Im Arnsberger Kunstsommer ist Sebastian seit Jahren integraler Bestandteil, verlässlicher Partner für ausgebuchte Kurse, auch beim Neheimer Sommergelee bietet er einen ersten Kurs an. Diese Zusammenarbeit soll in der nächsten Zukunft weitere Früchte tragen.

Ich schätze an Sebastian, dass er ernsthaft und trotzdem im besten Sinne unkompliziert, das heißt offen ist, und möchte ihn hiermit herzlich in unserer Mitte begrüßen.

Abschließend  ein  Zitat von Emil Buschnonga:

Die Rolle des Künstlers erfordert das Schnitzmesser, die des Kritikers das Schlitzmesser. Letzterer begeht damit meistens Schnitzer.