2011 – Agora – Christian Block

Agora- plastische Arbeiten von Christian Block

Zwei Grundaspekte begleiten die plastische Arbeit von Christian Block: Die Verwendung von Metall und die Verwendung von Archetypen. Darauf wird sicherlich in der zweiten Betrachtung eingegangen. Ich möchte darüber sprechen, warum diese Ausstellung jetzt und hier zu sehen ist.

Zum ersten Mal sehe ich die Arbeiten auf Fotografien vor zwei Jahren. Wir geraten in eine heftige Diskussion darüber, fast Streit. Genau dann beginnt Kunst zu reiben, die Oberfläche, die wir so schön mit Makeup kaschiert haben, wird abgetragen. Warum machst du das eigentlich? Block versucht mich mit Floskeln abzuspeisen, gut gelernten Aussagesätzen, die scheinbar genau auf die Arbeiten zutreffen, jedoch sich als so allgemein erweisen, dass sie als Verputz dienen können, Tarnung. Verstecke. Das reicht mir nicht, erkenne, warum er dieses Spiel treibt. Es ist einfacher sich hinter Floskeln zu verstecken, als das Machen in eigene Worte zu fassen. Geschickt wäre es sicherlich gewesen, die Arbeiten für sich stehen zu lassen, nicht zu kommentieren, denn wenn man einmal beginnt, muss man irgendwann zu Begründungen kommen und kann sich leicht verhaspeln. Und genau in diesem Moment hat er es verstanden, kann nicht mehr zurück und die Unterhaltung findet einen neuen Anfang. Er hat sich aus der Deckung reizen lassen. Wir nehmen uns ernst, die anderen, die dabei sitzen, werden zum Publikum, bemerken wohl die Spannung, die wie gezogene Drahtschnüre den Raum zusammenhält. Letztlich können wir keine Wahrheiten festlegen, aber zumindest die richtigen Fragen werden gestellt.

Ohne Umschweife werden Bezüge zu seinem Meister (ich meine das nicht despektierlich) hergestellt, Professor Michel Sauer. Wo sind Verknüpfungspunkte, wo die Eigenständigkeit. Die Art des Fertigens wird thematisiert, warum die Schweißgrate stehen bleiben, die Arbeit sichtbar gemacht wird und nicht völlig abgeflext. Dass die Objekte andererseits unter einer Schicht Farbe verschwinden, die Soße, die alles auf den ersten Blick zusammenhält. Nein, das ist bewusst gesetzte Farbe, keine Soße. Dass der Charakter des Metalls immer erhalten werden muss, sonst könne man auch in Holz oder Gips arbeiten. Wir sprechen über die Formen, die irgendwie bekannt vorkommen und doch so eigen, funktionslos erscheinen. Erwähnt werden hier die kulturellen und rituellen Bezüge, das Nachdenken über die Bedeutung der Dinge, nicht ihre profane Funktion, da ergeben sich ästhetische Eindrücke, die zunächst nicht erklärbar sind. Was passiert, wenn ich die Proportionen verändere, zunächst die Größe an sich, dann die Einzelteil zu einander. Was passiert, wenn ich verforme, bis wohin können die Verwandtschaften noch erkannt werden. Sogar Aspekte des Surrealen werden in Betracht gezogen und verworfen.

Was passiert, wenn ich die Sachen, Objekte auf einen zentralen Platz (Agora) stelle und sie damit in Beziehung zu einander  bringe, in Beziehung zum Betrachter? Wir finden die Antworten nicht und irgendwann ist es uns deutlich, wir müssen das Experiment wagen. Die Arbeiten werden im BOGEN ausgestellt. Die Antworten sollten von jedem Einzelnen gesucht werden, fertig.