UNS (Unser Natürlicher Schutzraum)

Im Frühling des Jahres 2012 wurde in Arnsberg -Neheim /Moosfelde in Zusammenarbeit mit dem Quartiersmanagement (vor allem Annika Ballach, die trotz aller Schwierigkeiten immer ein Lächeln hervorzaubern kann und eine große Überwinderin wie Ausräumerin von Hindernissen ist) sowie mit Unterstützung einiger Mitglieder der Ateliergemeinschaft DER BOGEN (Stephanie Neuhaus, Karl Hosse, Yannic Roßmann, Sebastian Hagen Ziemann und Tristan Meinschäfer), der Neuen Arbeit Arnsberg, vieler Schüler des St. Ursula Gymnasiums – Neheim und gutgelaunter Bürger der ganzen Stadt Arnsberg, vor allem Moosfeldes, die Weidenspirale UNS (Unser Natürlicher Schutzraum) gebaut.

Auf dem Wiesengelände hinter der Grundschule Moosfelde wurde eine insgesamt 32 Meter lange Spirale gebaut, die mit Weidenreisern bestückt ist. Über den Sommer 2012, der glücklicherweise in den ersten Monaten ziemlich feucht war, konnten die aus allen umliegenden Ortschaften zusammengetragenen Stöcke Wurzeln schlagen. Inzwischen hat sich eine lockere Hecke gebildet. Auch wenn Spötter sagen, die sei doch noch recht mickrig; sie hat erst begonnen. Dieser kleine Anfang wird in den nächsten Jahren zu einem dichten Buschwerk heranwachsen und einen neuen kleinen Lebensraum für Menschen und Tiere im Habitat Moosfelde bilden.

Das eigentliche Kunstwerk besteht nicht darin, dass die UNS jetzt dort steht, sondern das gemeinsame Arbeiten daran. In den nächsten zwei Jahren wird die Arbeit immer wieder Ziel gemeinsamer Aktionen sein. So soll im Herbst 2012 noch ein Grillen und Heckeschneiden stattfinden, ebenso in den Folgejahren, vielleicht finden sich ja auch Paten, die das Projekt auch in Zukunft betreuen. Nach 2014 wird die Hecke sonst sich selber überlassen bleiben und selber zur Natur werden. Auch hier stellt sich keine Frage nach Beständigkeit, sondern gerade die Veränderung und das Vergehen sollen im Mittelpunkt stehen. Und vielleicht eine Erinnerung.

Am 22.02.2012 wurde folgender Aufruf über die Presse und den Rundfunk lanciert:

Presseinfo 22.02.2012

Aufruf zum Weidenreiserspenden!

 

Neues Projekt in Moosfelde: UNS – Unser Natürlicher Schutzraum

Wer dieses Frühjahr seine Weiden schneiden muss, sollte dies jetzt tun. In Moosfelde werden die Weidenreiser gebraucht!

Grund ist ein neues Projekt, dass der Künstler Haimo Hieronymus ins Leben ruft. Er möchte zusammen mit anderen Künstlern, Kindern, Jugendlichen und Anwohnern gemeinsam eine riesige Weidenspirale in Moosfelde bauen.

Der Künstler kam auf die Idee, die Wiesen zwischen den Mehrfamilienhäusern, die weitgehend ungenutzt brachliegen, auf diese Weise zu gestalten.

Die Weidenreiser werden auf einer der Grünflächen zwischen den Mehrfamilienhäusern eingepflanzt und zu einem zusammenhängenden Kunstwerk verflochten. Das Kunstwerk ist aber kein „lebloses Objekt“, sondern kann und soll genutzt werden: Kinder können darin spielen, Anwohner sich aufhalten. Und so entstand auch der Name für das Projekt: UNS – Unser Natürlicher Schutzraum. Die Spirale stellt einen Schutzraum auf den weithin einsehbaren Wiesen dar.

Für  seine Projektidee hat Haimo Hieronymus im Stadtumbaubeirat Unterstützung aus dem Verfügungsfonds beantragt. Der Beirat stimmte begeistert zu und versprach tatkräftig bei der Umsetzung mitzuhelfen. Nun geht es an die konkrete Vorbereitung. Wer Weidenreiser spenden möchte, sollte sie bitte in der Eschenstraße zwischen den Häusern X und Y ablegen. Ein Schild weist auf den Lagerplatz hin.

Gepflanzt wird dann bei entsprechenden Wetterbedingungen im März / April.

Alle sind schon sehr gespannt, wie das Pflanzen werden wird und wie die Spirale hinterher aussieht!

Für nähere Informationen stehen Haimo Hieronymus und Annika Ballach vom Quartiersmanagement zur Verfügung:

Haimo Hieronymus

haimo@haimo.de

 

oder

 

Annika Ballach

Quartiersmanagement Moosfelde

Rosengarten 2, 59755 Arnberg

Tel.: 02932-80 29 500

Mail: ballach@stadtraumkonzept.de”

Der Aufruf hatte zur Folge, dass sich einige Bürger aus allen Stadtteilen Arnsbergs und aus dem Raum Ense gemeldet haben. Insgesamt standen einige Anhänger voller Weidenruten zur Verfügung.

Nachdem einige Moosfelder Alarm geschlagen hatte, das Projekt drohe zu scheitern, weil die Weidenspirale angeblich völlig vertrocknet sei, habe ich folgenden Brief an den Beirat Moosfelde geschickt:

“Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich wurde gebeten, Bericht zu erstatten.

 

UNS – Moosfelde

Stand der Dinge.

Nachdem am 21.04.2012 mit Hilfe von rund dreißig freiwilligen Jugendlichen (Vor allem Schüler des St. Ursula Gymnasiums, die sich per Facebook dazu abgesprochen hatten.) aus der gesamten Stadt Arnsberg und vielen Anwohnern Moosfeldes die Weidenspirale trotz des wirklich miserablen Wetters gepflanzt wurde, sind inzwischen viele der Äste ausgeschlagen. Vier verschiedene Weidensorten haben es geschafft.

Glücklicherweise war dieses Frühjahr, abgesehen von einigen Ausnahmen (Pfingsten), an denen wir uns über warmen Sonnenschein freuen konnten, sehr verregnet. Die Klasse von Frau Irmgard Schwartekopp der Grundschule Moosfelde, welche die Patenschaft über das Projekt UNS übernommen hatte, brauchte deshalb nicht zu gießen. Vor allem die dickeren Zweige hatten genug Kraft, um auszuschlagen. Viele dünne Zweige sind dabei vertrocknet, davon war wohl auszugehen. Das wichtigste Ziel bezüglich der Pflanzung ist erreicht,  es grünt. Das wichtigste Ziel bezüglich der Pflanzung aber auch, das Kunstwerk hat am Tag des Pflanzens viele Menschen zusammen gebracht und die Menschen reden darüber. Einige sehen die längere Perspektive, andere zweifeln. Auch das ist in meinen Augen gut. In den letzten Jahren habe ich bei allen künstlerischen Projekten die Erfahrung gemacht, dass es keine Einigkeit der Meinungen gibt. Kritik aber heißt auch, dass das Getane wahrgenommen wird und damit in gewisser Weise Einfluss auf die Gesellschaft hat.

Die Grundschule Moosfelde habe ich besucht und dort zwei Klassen erklärt, worum es bei diesem Projekt geht. Die Kinder waren äußerst interessiert und waren gerne bereit, Verantwortung mit zu übernehmen und die weitere Entwicklung auch zu beobachten. Es war für mich auch hier sehr aufschlussreich, welche Assoziationen geäußert wurden, auch welche Bedenken. Kinder sind ein sehr feiner Stimmungsmesser.

Regelmäßig fahre ich weiterhin selber mit dem Fahrrad zum UNS – Projekt und beobachte sehr genau, was dort passiert, zum Teil habe ich auch Fotos gemacht. Man muss allerdings nicht jede Minute des Wachsens festhalten um die Fortschritte zu sehen. Man muss auch nicht jede Woche überwachen; da die Skulptur noch nicht beschädigt wurde, gehe ich von einer gewissen Akzeptanz bei den Anwohnern aus.

Nachdem einige Mitmenschen mich panikartig darauf aufmerksam gemacht haben, dass alle Zweige eingegangen sind, bin ich sofort dorthin gefahren. Tatsächlich sieht es vom Bürgersteig noch etwas mager aus, was da passiert, aber tritt man näher heran, dann kann man sehr wohl den guten Fortschritt erkennen.

Als ich das Projekt vor einem Jahr vorgestellt habe, machte ich bereits darauf aufmerksam, dass nicht zu jeder Zeit alles schön sein wird. Nicht nur Natur braucht Zeit, auch die Kunst fordert diese ein.

Von außen betrachtet wirkt die Spirale im Moment vielleicht etwas verwahrlost, es wäre jedoch meines Erachtens falsch, wenn schon jetzt daran gegangen würde, die trockenen Zweige auszusortieren. Natur braucht vor allem eines: Ruhe, um sich zu entwickeln. Die Wiese im direkten Umfeld der Spirale soll aus diesem Grund auch noch nicht gemäht werden, denn so kommen viele Menschen erst gar nicht in die Versuchung, durch das hohe Gras dorthin zu gelangen. Man sollte der Arbeit bis zum Herbst diese Ruhe auch wirklich gönnen, denn erst über den Sommer wird sich herausstellen, ob das Experiment auch wirklich geglückt ist.

Im September möchte ich dort mit den Helfern gemeinsam an der Spirale arbeiten und grillen. Dann sollen die abgestorbenen Zweige entfernt werden. Ich hoffe, dass die Verwurzelungen der angegangenen Büsche dann stark genug sind, um den Winter zu überstehen, aber die Ansätze machen Hoffnung.

Im nächsten Jahr werden wir uns hoffentlich alle über die dann rascheren Fortschritte freuen können.

Ich wünsche Ihnen und mir die Geduld, bis dahin auszuhalten. Im Frühjahr können wir dann weitersehen, was passieren wird.

Mit freundlichen Grüßen

Haimo Hieronymus”