Unter dem Motto “8 51,3 Wir hier” wird auch dieses Jahr ein Sommergelee die Brötchen vor dem Sommerferien versüßen. Großes ist in Planung, die ersten Gespräche wurden schon geführt und jeder ist eingeladen mit zu machen, eigene Ideen einzubringen und natürlich mit zu organisieren. Wer Interesse hat, kann unter der Telefonnummer der Werkstattgalerie DER BOGEN (02932 203130) oder der Mail-Adresse info@der-bogen.de kurz Bescheid geben. Zur nächsten offiziellen Besprechung werden wir SIE und EUCH dann natürlich einladen. Also: Nicht so zaghaft, wir zählen auf gute Ideen! 
8 51,3 Wir hier
Mein Wunsch für Euch: Besinnliche und friedvolle Feiertage
Ein spannendes Jahr geht nun zu Ende, wir haben zusammen viel erlebt und einiges Neues ist passiert. Ich wünsche allen Freunden und Menschen, die wohlgesonnen sind, ein wundervolles Weihnachtsfest und einen erfolgreichen Start ins neue Jahr.
Herzlichen Dank noch mal an alle, die zur Vorweihnachtsatelierfeier mit den 4 Murders gekommen sind. Es war ein schönes Fest mit EUCH.
Rheintor, Linz – Anno Domini 2011
Was die Artisten dieser Reihe verbindet, ist der Rhein. Alles im Fluß, in Fluß. Das Fachidiotentum ist perdü, das Labor dokumentiert die Durchlässigkeit zwischen den Kunstgattungen. Diese Artisten interessieren sich für eine Kunst, die nicht illustriert, sondern anders politisch relevant ist. Klaus Krumscheid, Andreas Noga, Charlotte Kons, Joachim Paul, Stephanie Neuhaus, Birgit Jensen, Francisca Ricinski, Almuth Hickl, Swantje Lichtenstein, Dietmar Pokoyski, Enno Stahl, Jesko Hagen, Haimo Hieronymus, A.J. Weigoni, Denise Steger, Peggy Neidel, Katja Butt, Heidrun Grote, Jürgen Diehl, Bernhard Hofer, Peter Meilchen, Holger Benkel, Theo Breuer, Thomas Suder und Stan Lafleur pflegen die Kunst des Unmöglichen. Es sind Künstler, die sich für Lebensentwürfe und das Zusammenleben interessieren und nicht für standardisierte Wege. Diese Art zu arbeiten, befreit diese Artisten von der Massenidentität, die gerade in der globalisierten Gesellschaft entsteht. Diese Künstler machen keine Kunst, um Antihelden einer Subkultur zu sein, sondern vor allem, um die Sinngebung durch Kunst zu retten, um unter der Arbeit zu zeigen, was es bedeutet, als selbstbestimmte Individuen zu überleben.
»Rheintor, Linz – Anno Domini 2011«, Edition Das Labor 2011
Limitierte und handsignierte Auflage von 100 Exemplaren Exemplar 1 – 50 liegt ein Holzschnitt von Haimo Hieronymus bei.
Weiterhin sind die Bücher zum Hungertuch mit Holzschnitt von Haimo Hieronymus und Herr Nipp immer noch zu erwerben.
http://editiondaslabor.blogspot.com/2011/12/der-kunstlerpreis-das-hungertuch.html
http://editiondaslabor.blogspot.com/2011/12/herr-nipp.html
Erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de
Links:
http://www.bilder-raum.de/html/rheintor.html
http://www.bookrix.de/_title-de-matthias-hagedorn-enthierarchisierung-des-kultur-betriebs
Sand, der durch die Hände rinnt

Jeder der die bisherigen Arbeiten von Haimo Hieronymus kennt, weiß, daß bereits der Titel “Aquatik” pure Ironie ist. Wer so ein Misstrauen gegenüber dem Meer hat, wen es dermaßen langweilt, daß er vor Jahren schon auf die Frage, wie es denn an der Nordsee gewesen sei, antwortete:
“Schwaaaaap – schwaaap -schwaaap”, der kann einfach kein Buch machen, daß frei ist von ironischen Sarkasmen. Bei all dem bleiben seine Texte doch auf sympatische Weise liebenswert und wollen nur ganz nebenbei abrechnen. Zuweilen entglitt meinem stoischen Gesicht ein zunächst zaghaftes, dann aber dauerhaftes Schmunzeln der Selbstertappung. Da erkennt man plötzlich, daß die vielzitierte frische Meeresbrise eigentlich gar nicht so frisch riecht, wenn man nur ehrlich ist, daß der Kaffee in Strandcafes anders als erwartet kommt – oder eben nicht; wie die lieben Mitmenschen sich plötzlich verhalten können und in welche Rolle man sich selber versetzt sieht.
Solange es Menschen gibt, die sich die Mühe machen, mit Worten etwas Unkonventionelles anzustellen, muß einem nicht bange sein um das Beobachtungsfest der “Aquatik”, welches von Hieronymus zu kürzesten lyrischen Texte verdichtet wird. Im Anschluss an das letzte Buch “Miniaturen” ein konsequenter weiterer Schritt - immer ein Stück daneben. Nur eine verletzte Auster produziert eine Perle: Kunst.
Konterkariert werden diese Texte von einigen kleinen Holzschnitten in Pariserblau gedruckt. Die Motive erinnern an Dinge, die man am Strand findet, die man aber doch nicht zuordnen kann. Entstanden sind die Druckstöcke vor 2005, die Texte 2009. Texte und Holzschnitte sind jeweils zu einem autonomen Buchblock gebunden und finden sich in einem eigenwilligen und haptikbetonten Holzdeckelbuch mit Stift.
Hieronymus verfolgt damit zwei Gedanken: Autentizität des Materials und die Möglichkeit des Fertigmachens. Die Holzdeckel des Bucheinbands stammen von einer Überseeverpackung, die zerschnitten und mit all ihren Mängeln roh verwendet wurde. Die abschließende Kiste wurde aus einem ehemaligen Bücherrgal gefertigt und wird so zu einem Individualregal. Der Stift soll den Leser dazu anregen, zum aktiven Nutzer des Buchs zu werden, der ergänzt, bildlich wie schriftlich und erst damit das Werk zu einem Ganzen macht.
Einige Exemplare hat Hieronymus an befreundete Künstler zur Weiterarbeit gegeben, so kommen nur 15 der signierten und handgebundenen Auflage von 29 Aquatikbüchern in die Öffentlichkeit.
Am 19. März wird Haimo Hieronymus aus den „Miniaturen“ und seinem neuen Künstlerbuch „Aquatik“ ab 17.00 Uhr im Rheintor, Linz lesen.
Matthias Hagedorn
Edition DAS LABOR
Jeden Tag neue Beiträge, Texte, Gedichte, Rezensionen und Artikel über Kunst und Kultur finden sich auf dem Blog editiondaslabor.blogspot.com . Matthias Hagedorn hat mit den verschiedenen Sympatisanten von “DAS LABOR – Verlag der Artisten” ein schönes , vor allem aber lesenswertes Blog installiert. Die inzwischen täglich mehr als hundert Leser bekommen dort eine gute Mischung aus verschiedensten Bereichendes kulturellen Lebens geboten. Treffend und übersichtlich sind die Feullitonvergleiche und -rezensionen von Hagedorn selber. Er hat sich von einem Meister des verdrehten Langessays zu einem der kurzen und vor allem klaren Form gewandelt. Kein Thema scheint ihm fremd. Mal vereinfachend, mal wertend, mal bitterböse, mal sachlich, mal politisch, eben was passt. Nur manchmal überkommt es ihn und dann schneit es winterlich wildwirre Wortverwehungen. Den literarischen Input von außen bietet meist Anno, der aufmerksam macht auf wichtige Gedichtbände, die man in seiner Sammlung haben sollte, noch besser, die man gelesen haben sollte. Mimi liefert Kulturbetrachtungen, Denise Steger verweist auf Museen und Ausstellungen. …und alle paar Tage gebe ich auch meinen Senf (Text und Bild) dazu. (Eigentlich sollte das auf meiner Seite kulturnotizen.de etabliert werden, allerdings hat das nicht so wie gedacht funktioniert. Jetzt liegt sie ziemlich tot da herum und sie weiß nicht, wie es weitergehen soll. Wenn sich irgendwer findet, der beide Seiten mit einander verknüpfen kann, soll er sich bitte bei mir melden, denn ein griffiger Name ist werbeträchtiger.)
Aufräumen eins und zwei
aufräumen zwei
Irritiert einen donutessenden Mitarbeiter fragen. Der druckst merkwürdig herum, kaut bedächtig, grinst kurz, um dann definitiv demütig einzuräumen, er habe sich in den vergangenen Wochen ein Spiel daraus gemacht, zu jedem liegen gelassenen Gegenstand zunächst ein, dann zwei und zuletzt sogar drei weitere dazu gelegt zu haben. Es sei schließlich jeden Monat erst dann mit dem Aufräumen zu rechnen, wenn wirklich wegen jedes Teils gesucht werden müsse.
mal wieder aufräumen
Alle paar Wochen muss der Arbeitsplatz wirklich aufgeräumt werden. Auf den Tischen haben sich allerhand Materialien und Werkzeuge angesammelt. Auf dem Boden Reste der Arbeit, Schnipsel und Holzspäne, auch mal recht rutschiger Sand. Der wird immer gebraucht, sei es als Halter von Betonplastiken im Eimer, sei es um Strukturpaste herzustellen oder weil gerade kein Schmirgelpapier zur Hand ist (Einfach starkes Papier mit Holzleim einstreichen und mit Sand bestreuen, Rest herunter klopfen und schon ist nach zehn minütiger Trocknungszeit das Schmirgelpapier fertig.). Mit anderen Worten und weniger pittoresk ausgedrückt ist alles zu sehr verdreckt, um weiter ordentlich arbeiten zu können. Angeblich braucht man ja Chaos als Künstler (solche Gerüchte sind genauso widersinnig wie die Vorstellung, dass Künstler erst nach ihrem Tode berühmt werden, wer es vorher nicht war, wird es hinterher nimmermehr), aber das sollte zumindest irgendeine Struktur aufweisen. Arbeitshinderlich. Ein fast ewig anmutender Zustand von Einräumen und Ordnen – und dem zuerst langsam, dann immer schleuniger sich ausbreitendem Unrat. So räumt er denn auf und betrachtet verwundert, dass da Dinge plötzlich ausgebreitet wurden, die er mit Sicherheit dort nicht hingelegt hat, haben kann und vor allem nicht will, denn diese Form der Streuung ist einfach zu mutwillig und genau platziert. Dreist drapierte Dinge, die wie Stillleben starken Stilverstoß stützen. Da muss er genauer hinsehen. Wer könnte hier eingegriffen haben, in seine unterschwellige Ordnung, sein Ichbinhier- Zeichensystem.
Es kann nur zwei Menschen geben, die sich solcher Sachverdrehungen bedienen könnten, die die dort dargestellte Dreistigkeit derart drastisch zu ziemlich zwanghaften Zwischenwelten zelebrieren würden, sei es aus simplem Spieltrieb, sei es aus reiner Neugier, ob der Aufräumende dies denn auch bemerken würde. Die beiden sind schnell dingfest gemacht, können mit aufräumen und tun dies sogar mit einer gewissen Freude bis Genugtuung – der Alte ist doch noch nicht ganz verblödet und merkt, was wir machen.
Dann kommt der zu den Pinseln und muss feststellen, dass diese ziemlich durcheinander gebracht wurden, auch hier kein Zufall. Normalerweise ordnet er die Pinsel nach folgenden Kriterien: Schmalflachlang, breitflachlang, dünnrundlang, dickrundlang, flachklein, rundklein und sehrbreit. Dadurch ergeben sich sieben Gruppen mit jeweils bis zu fünfzig Pinseln, die achte Kategorie sind die Schellackpinsel, ehemals lange, die an einer Seite brutal bewusst abgesägt wurden. Das hat seinen Grund einerseits in der Kenntlichmachung, dass dieser Pinsel für keine anderen Farben verwendet werden darf, andererseits in der schlichten Praxis, dass diese Pinsel normalerweise in Alkohol stehen, und damit dieser nicht verdunstet, ist ein bischofsmützen(mitren-)artiger Deckel aufgebracht und der braucht einfach kleine Pinsel. Also finden sich dort acht weiße Plastikbecher – hatten wir schon – diese Salbenkruken aus der Apotheke, die vor allem aus solchen Pharmazien gut zu beziehen sind, die in der Nähe Hautärzte haben, dort dann sogar mit Kusshand umsonst abgegeben werden. Da passt immer ein Liter Salbenbasis rein. Besonders geeignet sind sie für das aufbewahren von Pigmenten und alkoholhaltigen Lösungen, wie Schellack oder Fernambukholzextrakt.
Jetzt stehen aber über zwanzig dieser Becher auf dem Tisch und alles scheint in wilder Wirrsal durcheinander. Oh Graus. Auf die Frage nach dem Warum eine klare Antwort der Zwei: Wir haben dein System nicht verstanden und dann haben wir uns eines ausgedacht, dass dir auch gefallen könnte: Wenn man die Pinsel in zwanzig Härtegrade unterteilte, dann wüsste man immer, welche mit Farbe versauten als nächste entsorgt werden müssten.
Zuerst veröffentlicht auf www.kulturnotizen.de
Erfinderwerkstatt im Eckgeschäft
Gestern auf einer Ausstellungseröffnung im Atelier DER SALON in Dortmund gewesen. Lohnt sich immer wieder, beneidenswert, mit welcher spielerischen Offenheit diese Künstler ihre Arbeiten machen und präsentieren, in einem ehemaligen Laden, die Gäste trinken ihr Bier auf der Straße. Nie weiß man, ob etwas fertig ist, vielleicht aber doch. Manchmal fährt einem eine lustige Dorade zwischen Beinen herum und fordert auf : “Iss mich.” Zur Not wird das Bild auf der Wand oder dem Boden zu Ende gemalt oder die gebrauchten Malklamotten der ganzen Gemeinschaft zur Kunst erklärt und zum Kauf geboten. Dieses Mal hatten sie auf der gegenüber liegenden Straßenseite ein weiteres Ladenlokal fertig gemacht, mal eben weiß gestrichen und bestückt. Fotos, Film auf Fensterscheibe wahlweise Toilette, ein Tonhund mit Menschenzähnen und eben der fahrende Fisch, ganz frisch versteht sich, stank noch nicht. Herzlichen Glückwunsch möchte man glücklich rufen, machen wir aber nicht, als Sauerländer haben wir sie einfach in den Bogen eingeladen, nächstes Jahr zu einem Ausstellungstausch: Im April. Das kann spannend werden, nein, lieber spaßig.
Alischa Leutner hat sich so gefreut, dass sie ihre Mitarbeit beim Sommergelee direkt zugesagt hat. Zwei Sachen, die sie anbietet:
1. Erfinderwerkstatt (ein Konzept der ID factory): in außerkünstlerischen Bereichen künstlerische Ideen entwickeln, Transfer, visuelle Szenarien bauen am Sonntagmorgen bis zum frühen Nachmittag (24.07.), –> wer weiß, vielleicht können wir die Sachen für den Rundgang im Schrebergarten mit verwenden?
2. “was keiner sagen will” möglichst peinliche Vortragsperformance in Linienbussen, am Freitag oder Samstag (22. oder 23.07.)
…na, geht doch!
Und damit die Einladung an alle: Kommt zum Sommergelee, alle Kurse kostenfrei! Anmeldungen sollten frühzeitig eingehen, letztes Jahr war alles recht schnell voll.
Hungertuch als Buch
Das Hungertuch, Druckfrisch
Die Deutsche Kritik neigt dazu, klüger als die Kunst sein zu wollen. Sozusagen die Kunst und noch etwas mehr. Dabei ist sie natürlich immer weniger, sie reduziert das Vieldeutige, kappt den semantischen Überhang, indem sie es auf einen Nenner bringt. Auch wenn sich die Kritik selbst künstlerisch gibt, praktiziert sie Reduktion, sie schließt aus. Die Überheblichkeitsgeste der Kritik ist ihre Kompensation dieses Umstands. Sie weiß das naturgemäß selbst, und sie ärgert sich grün vor Neid. Deshalb auch oft dieser Furor sowohl des Verrisses wie des Lobs. „Ist doch nur Kunst!“, könnte man dagegenhalten, tut doch keinem weh. Aber in beiden Fällen sind es Machtdemonstration, die umso forcierter ausfallen, je deutlicher der Kritiker dem Künstler zu verstehen geben will, daß er den längeren Füller hat. Insofern steckt noch in der größten Laudatio ein Kern Verachtung.
Dies zu ändern ist im Jahr 2001 der Kunstförderer Ulrich Peters angetreten und hat mit dem „Hungertuch“ einen Künstlerpreis gestiftet, der in den zehn Jahren seinen Bestehens von Künstlern an Künstler verliehen wurde. Es gibt im Leben unterschiedliche Formen von Erfolg. Zum einen gibt es die Auszeichnung durch Preise und Stipendien, zum anderen die Anerkennung durch die Kolleginnen und Kollegen. Dies manifestiert sich in diesem Künstlerpreis mit spielerischer Leichtigkeit.
Die Kunst steckt in der Krise. Das überraschende Début, die markante Debatte, der schockierend gute Roman – das alles fehlt. Die Kritik entwarf sich selbst als Hegemonialmacht mit universaler Deutungskompetenz; allüberall, in einer Grußformel, einem Reklameslogan, einem Hollywoodfilm vermochte sie das falsche Bewußtsein, wie diese Gesellschaft es notwendig erzeugt, aufzustöbern und in ein richtiges, das heißt kritisches Bewußtsein zu verwandeln. Dort, wo die Theorie dingfest gemacht werden soll, gibt es einen Irrgarten aus Wörtern, den man – systematisch denken! Assoziation! – nicht chronologisch durchwandert, sondern durchstreift, von Stichwort zu Stichwort. Glauben heißt nicht ausgeliefert, sondern ergriffen sein. Wenn man bemerkt, daß alles schon einmal da war, relativiert sich die Ernüchterung. Wenn man sich dann, in einem zweiten Schritt, auf die Primärtugenden der Kritik besinnt – Neugier, Leidenschaft, Entdeckerfreude, Sachverstand und die Fähigkeit, diesen Sachverstand zu vermitteln –, dann ist schon viel gewonnen. Gesellt sich dazu noch eine methodische Vielfalt, kann es losgehen. Denn welche Werkzeuge man anwendet – ob man sich dem close reading verschreibt oder gesellschaftliche Fragen zu beantworten sucht, ob man sich bei der feministischen Literaturwissenschaft oder bei den queer studies bedient, sich psychoanalytisch inspirieren läßt oder sein Reservoir subkulturellen Wissens ausschöpft –, ist nicht kategorisch, sondern von Fall zu Fall zu entscheiden. Löst man sich dann noch vom Themendiktat der aktuellen Bestseller, kann es aufregend werden. Für mich ist das Aufregende am ehesten im Netz zu finden, dort, wo ich mich mit Künstlern wie Barbara Ester, Tom Täger, Peter Meilchen, Tom Liwa, Haimo Hieronymus, Manuel Quero, Almuth Hickl, Holger Benkel, Katja Butt, Pia Lund, A.J. Weigoni, Thomas Suder, Peter Engstler, Woon–Jung Chei, Denise Steger, Joachim Paul und Eva Kurowski beschäftige. Nicht im Sinne eines Geheimwissens, das mich gegenüber anderen, nicht eingeweihten Kritikern auszeichnete, sondern weil die Literatur für mich ein privilegierter Ort der Fremderfahrung ist. Lesen und Unvertrautes zu erfahren, gehört für mich untrennbar zusammen. In Büchern, vervielfältigen sich die Genüsse und Erkenntnismöglichkeiten. Mag die Verwandtschaft von Literatur und Reisen ein wenig überstrapaziert sein, mag man sich, sobald man sie anführt, in den zu großen Fußspuren Jahnns zu bewegen, wirksam und aufschlußreich ist diese Analogie dennoch, insofern beides, die Literatur wie die Reise, Unvorhergesehenes mit sich bringt, insofern beides überfordert, die Sinne anregt und anstrengt, vielleicht überanstrengt, aber zugleich Neugier entfacht, das Denken und die Wahrnehmung herausfordert. Der Schriftsteller von heute ist Kleinunternehmer, die erfolgreicheren können sich schon als Mittelständler fühlen. Und so verhalten sie sich auch. Sie haben sich von Politik und Gesellschaft abgewandt. Nichts wagen, nicht anecken, immer schön dem Zeitgeist nacheifern, die Gunst des Publikums bedienen, egal wie regressiv, wie reaktionär. Prämiert wird, was wohlfeil ankommt. Das alles hat fatale Konsequenzen für die gesellschaftliche Entwicklung und den kritischen Diskurs, ohne den eine demokratische Gesellschaft nicht auskommt. Intellektuelle Debatten werden inzwischen von so genannten Experten dominiert, am liebsten im Fernsehformat. Sie erreichen meistens nur mittleres Talkshowniveau. Die intellektuelle Auseinandersetzung beginnt jedoch dort, wo der Zweifel beginnt – die dubitative bzw. kausale Frage. Anläßlich der Feierlichkeiten zu Walter Benjamins 100. Geburtstag unterschied Jürgen Habermas 1972 in einem berühmten Vortrag zwischen “bewußt machender” und “rettender Kritik”, was viel Aufsehen erregte, aber keine Folgen hatte. Auf Französisch bedeutet „vision“ sinnliche visuelle Wahrnehmung wie auch innerliche oder transzendentale Bilderfahrung.
Matthias Hagedorn
Die Dokumentation zum Künstlerpreis erscheint mit einem Originaldruck von Haimo Hieronymus bei der Edition Das Labor, Mülheim 2011
Die Angst perfekter Schwiegersöhne – Geschichten von Herrn Nipp
Nachdem viele regelmäßige und sporadische Leser von Kulturnotizen den Wunsch nach einem handfesten Buch geäußert haben, wird im Oktober 2011 eine Sammlung von Geschichten und scheinbaren Erlebnissen des Herrn Nipp im Verlag ‘DAS LABOR – Verlag der Artisten’ erscheinen. Geplant ist eine Trilogie. Das Buch mit dem Titel
” Die Angst perfekter Schwiegersöhne
ernsthafte Geschichten von Herrn Nipp”
wird einen Umfang von ca. 120 Seiten haben und als Softcover herausgegeben. Da eine ISBN nicht vorgesehen ist, kann das Buch nur bei DAS LABOR oder bei mir persönlich erworben werden. Sämtliche Texte wurden und werden auf www.kulturnotizen.de / editiondaslabor.blogspot.com vorab veröffentlicht. Niemand kann sich daher beklagen, dass man schon wieder ein Buch kaufen muss, um die Geschichten zu lesen.
Die ersten hundert Exemplare haben auf der Frontseite einen Originalholzschnitt und sind nummeriert wie signiert.
Der Preis für die limitierten Exemplare liegt bei 25 Euro, für die einfachen Bücher bei 9,80 Euro.
Subscribenten erhalten Exemplare der ersten hundert zum Vorzugspreis von 9,80 Euro. Die Graphik wird in den nächsten Tagen hier veröffentlicht werden.
Sollten mehr als hundert Wünsche bis zum Stichtag eingehen, wird eine weitere Auflage von hundert Exemplaren mit einem anderen Holzschnitt bedruckt werden.
Wer interessiert ist, sollte bis zum 10. 09. 2011 eine verbindliche Bestellung per email an b-sucher1@web.de schicken. Die Subskribenten werden hinten im Buch als Förderer von DAS LABOR – VERLAG DER ARTISTEN genannt.
Auch weiterhin wird Herr Nipp dieses Blog mit seinen kleinen Macken und anderen Betrachtungen der Welt vervollständigen.
“Natürlich hatten ihn schon immer die lästigen Werbeaktionen im Internet abgeschreckt. So legte Herr Nipp sich nach und nach eine Liste mit Seiten an, auf denen man niemals derart belästigt wurde. Leider waren diese Seite meist etwas langweilig.”
Anders als glücklich
Der kleine Mann mit dem lächerlichen Namen, er ist ein heutiger Ritter von trauriger Gestalt. Melancholisch, verloren und weise. Sich seiner eigenen Bedeutungslosigkeit bewusst, kann er sich in völliger (Narren-)Freiheit den kleinen wie den großen Dingen mit gelassener Neugierde widmen und uns durch seine Augen in interessierter Distanz die Welt ein wenig mehr be- und entfremden.
Herr Nipp – langjähriger Protagonist in Haimo Hieronymus’ literarischem Œuvre, doch bisher meist nur Begleiter, Betrachter, Sidekick – wird nun in virtueller und gedruckter Form erstmals einem breiteren Publikum vorgestellt. Eine späte Ehre für den Ewigzupätkommenden, den steten Grübler.
Nipp erlebt viel. Doch kaum Spektakuläres. Er lebt und erlebt seinen Alltag und allein das ist oft schon berichtenswert. Nipp denkt sich seinen Teil, und das ist noch berichtenswerter. Ein stiller, versonnener Beobachter, dessen Reflexionen und subversiv-ironische Kommentare länger im Gedächtnis haften bleiben als angesichts der äußerlich harmlosen Form erwartet. Nipp scheitert stets aufs Neue an den alltäglichen Widernissen. Irgendwo ist immer ein Stein, auf den man treten kann und wird. Vor allem, wenn man den Kopf gerade in den Wolken hat. Und auch das ist berichtenswert. Denn im Scheitern liegt Schönheit.
Den kleinen großen Nipp mögen wir belächeln, doch am Ende lässt sich nicht bestreiten, dass dieses stoische und hintersinnige Stehaufmännchen Respekt einflößt – denn nur der wahrhaft Unzufriedene vermag die Poesie eines Maiskolbens zu erkennen, die Schönheit im Kleinen, im Fragment. Herr Nipp, der traurige Ritter, ist die paradoxe Verkörperung des Prinzips Hoffnung – fallen, abklopfen, eventuell ein paar mal seufzen und dann wieder aufstehen.
J. C. Albers
Enkaustik 11.-13. 11. 2011 muss verlegt werden auf den 20.-22. Januar
Vom 11. bis 13. November sollte bei mir im Atelier eigentlich wieder ein Enkaustik (Wachs/ Schellack)-kurs stattfinden. Den muss ich nun aus persönlichen Gründen verschieben. Nicht sauer sein, er wird vom20. bis 22. Januar nachgeholt. Wer mitmachen möchte, kann sich unter haimo@haimo.de mit mir in Verbindung setzen. Wie immer gilt das Windhundprinzip. Die bereits Angemeldeten haben natürlich Vorrang
Herr Nipp kommt endlich – ab 10.11.2011
Das Buch ist im Druck, eigentlich war am Samstag, 05.11.2011 im Bogen, Möhnestraße 59 in 59755 Arnsberg geplant es abholbar zu halten. Eben kam der Anruf, dass die Auflage erst am Mittwoch fertig sein wird. Schade, aber da ist nichts zu machen.
Jetzt verlegen wir das Ganze einfach um eine Woche und freuen uns darauf, dass es dann kommt – das Buch.
Die erste Auflage hat ein Volumen von 500 Exemplaren und wurde in Neheim gedruckt.
Das “normale” Buch kostet 9,80 Euro, die Sonderausgabe mit Holzschnitt 25,- Euro. Wer Interesse hat, ist herzlich eingeladen vorbei zu kommen und sich sein Buch zu sichern.
Ulrich Johannes Müller
Jetzt ist es amtlich. Ulrich Johannes Müller hat endlich seine Professur für Skulptur in Neapel. Ich freue mich mit ihm, denn kaum jemand hat dies so verdient wie er. Ehrlich, umtriebig und vor allem offen. Die Zeit bei ihm in la Spezia und mit ihm hier in Neheim hat meine Augen und Sinne anders und neu geöffnet. Seine Arbeiten zeugen von klaren Gedanken über Zeit, Form, Proportion und synästhetischer Ruhe. Ohne die Hektik eines alles beherrschenden Kunstmarktes, setzt er seine klaren Werte und steinernen Zeichen in die Welt. Stellt uns Fragen, an denen wir kaum vorbei gehen können, ohne unsere eigene Dimension auf den Prüfstand zu stellen. Herzlichen Glückwunsch!
Kreisverkehr in Hüsten (Bahnhofstraße)
Alles fertig und der Kreisverkehr “Begegnungen” wirkt nachts, als wären Lichtzeichnungen in den Raum gemacht.
Fotos vom 13.11.2011. Hieronymus.
kreuz und quer
Die Jahresausstellung 2011 hat den Titel “kreuz und quer”. Jeder und Jede arbeitet mit einer und einem Anderen zusammen. Das trägt Konfliktpotentiel in sich, vor allem aber neue Begegnungen. Und machmal wird auch ganz anderes entstanden sein, als man vorher erwartet hat.
Zum ersten Mal dabei: der ARTOMAT in fünffacher Ausführung – kleine Kunst für jeden…
Ich möchte alle Freunde, Gegner und Interessierten herzlich einladen!
Vernissage: Sonntag 20.11. 2011 um 17.00 Uhr
Werkstattgalerie DER BOGEN Möhnestraße 59 59755 Arnsberg
Die KREUZ und QUER – Filme bei youtube.de
Die KREUZ UND QUER – Filme wurden auf den Bogenkanal bei youtube eingestellt.
http://www.youtube.com/watch?v=gXjInNVWLgs&feature=player_embedded
















